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Was ist Ihre Kanzlei wert, wenn ein Investor sie bewertet? Die Antwort steckt in wenigen Kennzahlen, die sich beeinflussen lassen. Wie Investoren rechnen, welche Rolle KI spielt und was Sie in der Hand haben.


Sie erwartet ein empirischer Faktencheck: Wer investiert? Wie entstehen die Kaufpreise? Was kann KI leisten, und was bleibt beim Berufsträger? Sie nehmen die Checkliste mit, nach der Investoren eine Kanzlei prüfen. 
  
  
Worum es geht 
Immer mehr Inhaber mittelständischer Kanzleien bekommen Anfragen von Plattformen. Wer nie verkaufen will, spürt dieselbe Entwicklung über Personal, Mandanten und Preise. 

Was eine Kanzlei wert ist, hängt an wenigen Größen: der Struktur der Mandate, dem Anteil wiederkehrender Umsätze, der Abhängigkeit vom Inhaber und dem Grad der Automatisierung. Diese Größen lassen sich verändern, auch ohne jede Verkaufsabsicht. 

Private Equity (PE) übernimmt Mehrheiten an Unternehmen mit stabilen Erträgen und baut sie durch Zukäufe aus. In der Steuerberatung ist KKR bei ETL engagiert, EQT bei WTS, Cinven bei Grant Thornton. Die Partners Group und Greenpeak haben mit Afileon und Atania eigene Buy-and-Build-Plattformen aufgesetzt. In knapp zwei Jahren sind weit über zwei Milliarden Euro in den deutschen Steuerberatungsmarkt geflossen, 15 bis 20 Prozent aller Steuerberatungsgesellschaften haben nach Branchenschätzungen bereits Investoren an Bord. Afileon allein hat seine Standortzahl binnen zwölf Monaten nahezu verdoppelt. 

Parallel dazu kommt Wagniskapital (Venture Capital, VC) in den Markt. Es finanziert junge Unternehmen, die noch keine Gewinne erwirtschaften, trägt ein hohes Ausfallrisiko und setzt auf wenige große Erfolge. In Berlin sind so mit Integral und Limetax Neo-Kanzleien entstanden. Integral baut die Kanzlei von Grund auf, Limetax kauft bestehende Kanzleien und legt eine eigene KI-Plattform darüber. Dahinter stehen Technologie-Investoren wie General Catalyst, Motive Partners und Reid Hoffman (LinkedIn-Mitgründer). Integral hat bislang 30 Millionen Euro eingesammelt. 

Die jüngste Verschärfung des Fremdbesitzverbots in § 55a StBerG trifft jede Struktur, in der berufsfremdes Kapital mittelbar beteiligt ist. Sie hat den Spielraum verengt, die Entwicklung nicht gestoppt. 
 
Beide Lager (PE und VC) teilen dieselbe Hypothese: KI hebt die Produktivität deutlich, vor allem in großen, zentral organisierten Einheiten. In den Plattformen der Finanzinvestoren lautet das Ziel zwei bis drei Mal so viele Mandanten je Berater. Gesteuert wird über Umsatz und Ergebnis je Vollzeitkraft. 

Darauf beruht die Rechnung der Finanzinvestoren. Sie kaufen Kanzleien zu Dienstleistungs-Multiples und wollen sie nach fünf bis sieben Jahren als technologienahe Plattform mit einem deutlich höheren Multiple weiterreichen. Der Ertrag speist sich aus zwei Hebeln: einem höheren EBITDA und dieser Multiple-Expansion. Den Aufschlag zahlt ein Käufer nur, wenn sich bis dahin belegen lässt, dass KI die Produktivität tatsächlich gesteigert hat. 

Ein großer Teil der täglichen Arbeit ist regelbasiert und dokumentiert. Genau dort sollen KI-Agenten Fachkräfte entlasten und den Personaleinsatz minimieren. 
Urteilsvermögen, Verantwortung und Haftung bleiben beim Berufsträger. Diese Grenze bestimmt, wie viel Personal eine Kanzlei künftig braucht und wie weit sie automatisieren kann. 

Über die meisten dieser Vorgänge ist öffentlich wenig bekannt. Dieses Seminar ordnet sie ein und geht die wichtigsten im Detail durch. Wie weit der Umbau reichen kann, zeigt der Blick in die USA, wo Private Equity seit 2020 über 30 Milliarden Dollar in Steuerkanzleien investiert hat. 
 
 
Warum das Thema gerade jetzt Ihre Aufmerksamkeit erfordert 
Die Veränderung erreicht eine Kanzlei, lange bevor sie selbst verkauft. Plattformen treten als Arbeitgeber mit formalisierten Karrierepfaden und harmonisierter Vergütung auf und sprechen Nachfolger an, bevor diese am freien Markt auftauchen. Sie automatisieren und prägen damit die Erwartung an Tempo und Service. Und sie bestimmen die Preise, zu denen Kanzleien übergeben werden. 

Hinzu kommt der Mandant, der Teile seiner Buchhaltung inzwischen selbst automatisiert. In der Kanzlei kommt dann nur noch an, was kompliziert ist und unterschrieben werden muss. Handlungsfähig bleibt, wer seine Kanzlei selbst strukturiert, denn nach diesen Strukturen bemisst sich künftig ihr Wert. 
  
  
Themenschwerpunkte
Der empirische Befund: Was bislang passiert ist
  • Chronologie der Deals von KKR/ETL bis zu den jüngsten Transaktionen 
  • Private Equity, Wagniskapital und Family Offices: Renditeerwartung und Zeithorizont im Vergleich 
  • Warum gerade jetzt: Demografie, Fragmentierung und wiederkehrende Erlöse 
Was KI verändert: Kanzleialltag, Haftung, Geschäftsmodell 
  • Was KI im Kanzleialltag leisten kann und wo Urteilsvermögen, Verantwortung und Haftung bleiben 
  • KI-Agenten im Monatslauf der Finanzbuchhaltung: unter welchen Bedingungen sie funktionieren 
  • Wo die Grenze zu den Vorbehaltsaufgaben verläuft: §§ 3 und 6 Nr. 4 StBerG im Agenten-Workflow 
  • Wo die KI im Kaufpreis steckt: Dienstleistungs-Multiple beim Einkauf, Technologie-Multiple beim Exit 
  • Neo-Kanzleien wie Integral und Limetax: wem die TaxTech-Tools inzwischen gehören 
Der berufsrechtliche Rahmen 
  • Was die Verschärfung des § 55a StBerG für bestehende und geplante Strukturen bedeutet 
  • Kein Bestandsschutz, keine Übergangsregelung: warum erste Kammern Widerrufsverfahren eingeleitet haben 
  • Welche Wege Investoren weiterhin offenstehen: Wirtschaftsprüfungs- und Servicegesellschaften 
Bewertungstreiber und Mechanismen verstehen 
  • Wie ein Kaufpreis entsteht: bereinigtes EBITDA, Add-backs und der herausgerechnete Inhaberlohn 
  • Welche Nachweise Investoren zu diesen Kennzahlen verlangen 
  • Headline und Cash: was beim Closing fließt und was an Rollover-Equity und Earn-out hängt 
  • Was passiert, wenn der Exit sich verzögert: Rückbeteiligung ohne Liquiditätsereignis 
  • Was den Kanzleiwert hebt und was ihn drückt, auch ohne Verkaufsabsicht 
Die operative Logik: Was nach dem Einstieg passiert 
  • Zukauf, Integration, Zentralisierung: Folgen für Kosten, Personal und Beratungstiefe 
  • Wie sich die Rolle des Inhabers nach einem Einstieg verändert 
Was das für Ihre Kanzlei bedeutet 
  • Wettbewerb um Personal, Mandate und Nachfolger gegen kapitalstarke Plattformen 
  • Szenarien: Anschluss an eine Plattform, Verkauf an ein Family Office, Fortführung in Eigenregie 
  • Welche Größe, Spezialisierung und technische Ausstattung Eigenständigkeit voraussetzt 
  • Was Mandanten und Mitarbeitende fragen, wenn eine Kanzlei den Eigentümer wechselt 
Was uns der US-amerikanische Markt lehrt 
  • Wie sich Bewertungen und Marktstruktur dort seit 2020 entwickelt haben 
  • Was sich auf Deutschland übertragen lässt und was nicht 
 

Für wen ist dieses Seminar geeignet?
Wenn Ihnen bereits eine Anfrage oder ein Angebot einer Plattform vorliegt, ist dieses Seminar für Sie gemacht. Es richtet sich darüber hinaus an Inhaberinnen, Inhaber und Partner mittelständischer Steuerkanzleien, die einschätzen wollen, was Konsolidierung und KI für den Wert ihrer Kanzlei bedeuten. Ebenso an angestellte Berufsträger und Führungskräfte, die wissen wollen, wie sich ihr Berufsbild verändert, und an Nachfolgerinnen und Nachfolger, die wissen müssen, gegen wen sie künftig antreten. 

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Einsteiger bekommen eine geordnete Grundlage. Wer die Entwicklung schon verfolgt, erhält den aktuellen Stand. Fragen, Diskussion und Austausch sind ausdrücklich erwünscht. 
  
  
Ihre Mehrwerte auf einen Blick 
  • Übersicht über Deals, Plattformen und Investoren auf dem Stand des Seminartags 
  • Das Schema, nach dem Investoren eine Kanzlei bewerten, und die Stellschrauben, an denen Sie ansetzen 
  • Checkliste mit den acht Punkten, die Investoren in der Due Diligence prüfen 
  • Was KI im Kanzleialltag leisten kann und wo die Haftung bleibt 
  • Eine Einordnung, mit der Sie eine Anfrage einer Plattform bewerten können, bevor Sie antworten 
  
  
Ihr Referent 
Dr. Roger Gothmann ist Gründer und Geschäftsführer von TAXDOO und Mitglied im Advisory Board (Beirat) einer Private-Equity-Steuerberatungsplattform. Zuvor war er über zehn Jahre in der Finanzverwaltung tätig, u. a. als Betriebsprüfer beim Bundeszentralamt für Steuern. Seit Anfang 2025 analysiert er KI und Private Equity in der Steuerberatung, als Gastautor in FAZ, Handelsblatt und WirtschaftsWoche sowie im Podcast und Newsletter „Skin in the Game“. 
 
Starttermine & Details